Märchen (2): beste Chance für neue Generation?

Wir alle kennen das Märchen vom Weihnachtsmann. Dennoch spielen viele Familien diese Verarschung Jahr für Jahr. Es ist also ein Generationenvertrag, in welcher Doofheiten weitergegeben werden, ohne die Folgen zu verstehen. Eine Scheinwelt ist somit installiert worden. Aber ist die Scheinwelt nicht vielleicht sogar noch weiter “ver-wickelt” worden, um diese künftig zu “ent-wickeln”?

Ich betrachte das aktuelle Drehbuch als eine Episode der Gebrüder Grimm, dessen Märchen-Erzählungen. Bevor ich die Fortsetzung des Märchen-Buches mache, will ich auf die aktuelle Situation aufmerksam machen. Wer nämlich heute noch an Zufälle in der globalen Politik und Preisregulierung bzw. einer geringen Auswirkung der Inflation glaubt, der muss auch Nikolaus und Knecht Ruprecht seinen Hintern zum auspeitschen hinstrecken. Hier ist die neue Ausgabe des Märchens:

„Es war einmal eine Welt mit Dauerwellen, Schnauzbart und Opel Manta. Es war eine Zeit des neuen Systems. Eines Systems, in dem man überall vom Tellerwäscher zum Millionär wachsen konnte. Die Religion des Geldsystems hatte eine ganz neue Bedeutung bekommen. Die Bedeutung war: Bedingungsloses Grundeinkommen. Das Wachstum durch selbst erschaffene Werte war nicht mehr wichtig. Ein Leben aus dem Schlaraffenland. Eine Hängemattementalität hat sich etabliert, wo man quasi mit Politik und Zentralbanken seinen eigenen Profit herausziehen kann.

Eine Umweltpolitik wurde etabliert, in welcher man nur noch jubelnd Anhang fand. Alles was Wohlstand bedeutete, wurde schlecht gemacht. Wer will schon immer in der Hängematte liegen? Geld regierte jetzt die Welt. Eine Welt der SUVs, die sich vor den Eingängen von Bio-Läden gestapelt haben, um sich freizukaufen. Die Aufbruchstimmung für eine neue Welt des Ablasshandels war geschaffen. Je mehr Geld man also hatte, umso einfacher war es sich freizukaufen. Man konnte sich sogar Spritzen setzen, um seine Familie und Freunde zu treffen. Für die anderen war es verboten.

Solidarität ist zu einem Schlüsselwort im Massen-Marketing geworden. Solidarität mit Menschen, die Angst haben. Schneewittchen hat immer auf die Solidarität für die andere Seite verwiesen. Doch der Gruppenzwang hat sogar die Geldgier der Wirtschaft ergriffen. Man nannte die Wirtschaftsbosse damals auch CEOs, die man heute als politische Führer der wirtschaftlichen Elite bezeichnet. Diese CEOs liefen nämlich Hand in Hand mit der Finanz-Elite und den Vorschriften der Re-GIER-ung.

Man konnte sich einen vollständigen Lockdown und kaputte Wirtschaft nicht vorstellen. Allerdings kam dann eine dunkle Wolke über die Illusion. Aus Wohlstand wurde jetzt Existenzangst. Die Preise für Lebensmittel und Energie sind so stark gestiegen, dass einzelne Haushalte Sorgen bekamen. Man nannte diese Menschen zu dieser Zeit „Verschwörungstheoretiker, Nazi, Aluhutträger, und so weiter“.

Wer sich diesem Narrativ entgegenstellte, wurde von der Masse verhöhnt. Aber die Not ist während einer weltweiten Umstellung gewachsen. Die Vermögen schmolzen durch eine Preisspirale, die sich über alle Produkte und Dienstleistungen erstreckte. Doch die Steuererhöhungen haben auch die Preiserhöhungen aufgefressen. Die großen Gewinner waren die Politiker, deren „Diäten“ über den Inflationsdaten gestiegen sind.

GERMANY - CIRCA 1975: A stamp printed in Germany shows The Emperor's New Clothes, scene from a fairy tale by Hans Christian Anderse, circa 1975

Wer zuvor gewarnt hatte, war ein Miese-Peter, ein Pessimist, ein Schlechtreder oder gar ein Crash-Prophet. Natürlich hat die „Herrschaft“, die zu einem späteren Zeitpunkt aus Solidarität zum Ausdruck „Damenschaft“ gewandelt hat, die Schuldigen bereits ausgemacht.

Die Jahrzehnte vor diesem Ereignis waren tatsächlich wie im Schlaraffenland. Es wurde zwar eine Salamitaktik im wahrsten Sinne des Wortes angewandt, aber die geringe Ware in einer Verpackung wurde zum selben Preis verkauft. Nun, man sparte einfach am Urlaub und flog nicht mehr in den Urlaub, sondern lieber einheimische Gebiete. Doch die Immobilien-Preise haben auch in der Heimat die Hotel- und Ferienwohnungskosten nach oben schnellen lassen.

Das Waldgebiet und der Baggersee war auch sehr erlebnisreich. Aber dann hat das Geld für die Heizung nicht mehr gereicht. Die Preise waren so verrückt geworden, dass selbst die Unternehmen einige Mitarbeiter entlassen mussten oder teilweise die Produktion stoppten. Es entstand ein Doppeleffekt: denn auch die Regierungen konnten einfach kein Helikoptergeld oder Arbeitslosengeld mehr bezahlen. Das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen.

Es herrschte gähnende Leere in den Supermärkten. Und wer noch Geld oder Immobilien hatte, wurde durch die Inflation und Überbesteuerung von seinen Werten beraubt. Ein Märchen, das sich wie bei Pinoccio eines Tages in der Realität wieder finden kann. Wer weiß es schon. Und somit träumten die Menschen von einer Welt der „alten Normalität“ weiter, bis es zur Realität wurde.“

Diese Märchen-Reihe werde ich für die künftigen Kinderbücher festhalten und hoffe, dass man langsam aber sicher den Sinn von Märchen-Büchern versteht. Ob der Titel mit „Chance für eine neue Generation“ nun in die jetzige Zeit paßt? – Diese Antwort überlasse ich jedem Leser selbst.

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Rainer Hahn

Rainer Hahn ist Chefredakteur von www.swissmonday.de. Mit seinem im Jahr 2005 veröffentlichtem Buch „Investieren in Asien“ und Mitgründer der Börsenpublikation „Tiger&Dragon“ und EMFIS.com war er maßgeblich an der Informationsgestaltung und Aufklärung der Emerging Markets im deutschsprachigen Raum beteiligt. Seine Expertise war bei zahlreichen Medien als Interview-Partner zum Beispiel beim Handelsblatt und DAF gefragt. EMFIS.com wurde außerdem durch die regelmäßigen Auftritte bei N-TV und der 3-SAT-Börse bekannt.

Im Anlageausschuss war Rainer Hahn bei einigen Finanzprodukten wie dem Asien Umwelt Index der Deutschen Bank und dem China Equity 2008 der ABN Bank in der Schweiz. Außerdem hat Rainer Hahn für eine Reihe von Investmentbanken Markt- und Unternehmensanalysen geschrieben.

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