VORSICHT! Börsen-Sturm zieht in Richtung BIG-Techs

Die BIG-Techs sind die Corona-Gewinner. Während die Realwirtschaft weltweit durch Lockdownmaßnahmen in die Knie gezwungen wurden, erlebten Amazon, Facebook, Alphabet (Google), Microsoft, Twitter und Netflix Hochkonjunktur. Auch Tesla hat sich im Windschatten dazugesellt. Und so dominieren heute diese BIG-Techs die US-Indizes Nasdaq und den S&P 500. Die Top5 der BIG-Techs Apple, Microsoft, Amazon, Google und Facebook machen mehr als 20% vom S&P 500 Index aus. Schwergewichte, die an der Börse zur Verzerrung der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage führt.

Doch erste Stimmen melden sich nun mit Skepsis zu den Gewinnern des digitalen Zeitalters. Morgan Stanley beispielsweise hat parallelen zur „Dotcom-Blase“ gezogen und eine ähnliche Entwicklung zum Hochstand der Nasdaq im Jahr 2000 gefunden. Damals zählten kurz vor dem Crash ebenfalls die nach Marktkapitalisierung Top 5 im Nasdaq eine Gewichtung von 17%, bis es schlußendlich „Plumps“ machte. Wer in dieser Zeit bereits aktiv war, erinnert sich bestimmt an die täglich tief roten Zahlen und Panikverkäufe.

Doch wie heißt es an den Börsen so schön: Diesmal ist alles anders. In der Tat hat sich die Digitalbranche zu einer fest etablierten Branche gemausert und zu einem existenziellen Bestandteil unseres Lebens und Wirtschaften gewachsen. Beflügelt durch die Entwicklung der künstlichen Intelligenz werden die Daten zu einem Schatz gewandelt. Die daraus entstandene Macht ist gewaltig. Unbestritten ist also die Position der Marktführer in ihren einzelnen Subsegmenten. Doch was stimmt nun einige Experten skeptisch und ist diese Skepsis überhaupt gerechtfertigt?

Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Top 100 Unternehmen in einem Index der Markt dominieren. Bereits im Jahr 1975 haben die Top 100 im S&P eine Gewichtung von 48% erzielt. Aber im Jahr 2021 sind es 91%, während ein Drittel der im S&P 500 aufgenommenen Unternehmen sogar Verluste schreiben. In Kürze werden die Ergebnisse vom 2.Quartal vorgelegt und werden aller Voraussicht nach wieder fabelhafte Gewinne präsentieren. Doch die Gefahr lauert in dem extrem bullischen Sentiment, das bei einigen Profis den Alarm ausgelöst hat. Das Call/Put Verhältnis zeigt ein nur selten da gewesenes Mißverhältnis. Man muss also davon ausgehen, dass bereits die meisten Anleger „All-In“ sind und somit die Gefahr von „frischem Pulver“ für weiterhin steigende Kursanstiege zunimmt.

Die riesigen Kursgewinne bei den BIG-Techs sind bis zur Realisierung lediglich Buchgewinne. Cash erhält man erst, wenn man Kasse macht und die Aktien wieder in Geld umwandelt. Dieser normale Vorgang kann allerdings eine Welle der Gewinnmitnahmen auslösen, die vor allem jene Aktien am stärksten betrifft, die zuvor am höchsten gestiegen sind. Deshalb ist die Sorge einer heftiger Korrektur nicht auf die fundamentale Entwicklung der BIG-Techs zurückzuführen, sondern vielmehr auf eine Entladung vom Druck, der auf den Kessel drückt. Es muss einfach Luft abgelassen werden.

Die Auslöser einer oben beschriebenen Welle können unterschiedlicher Natur sein und somit ist ein konkreter Zeitpunkt schwer vorhersehrbar. Doch geschürt wird die Sorge vor einer eher heftigen Korrektur mit 10 bis 20% durch die steigende Anzahl von Klagen in den USA. Einige Bundesstaaten haben Klagen gegen Facebook und Google bezüglich Zensur und Anzeigemanipulation eingereicht. Selbst der Ex-Präsident hat mit einem großen Team Klagen angekündigt oder bereits eingereicht. Auch Joe Biden hat erst jüngst Facebook als „Mörder“ beschimpft, weil anscheinend nicht genug zensiert wird. Man kann es also drehen und wenden wie man will: aus verschiedenen Seiten wird Druck gegen die Datenkraken und Medienriesen der heutigen Zeit aufgebaut. Ob dies ein Katalysator für die Korrektur sein wird? Schauen wir einmal. Aber die Anzeichen für fallende Kurse bei den BIG-Techs und somit auch der Nasdaq und dem S&P 500 wird immer wahrscheinlicher. Zu den größeren Verlierern bei einem solchen Szenario könnte auch Tesla sein. Tesla hat die mit Abstand höchste Bewertung unter den internationalen Automobilherstellern.

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Rainer Hahn

Rainer Hahn ist Chefredakteur von www.swissmonday.de. Mit seinem im Jahr 2005 veröffentlichtem Buch „Investieren in Asien“ und Mitgründer der Börsenpublikation „Tiger&Dragon“ und EMFIS.com war er maßgeblich an der Informationsgestaltung und Aufklärung der Emerging Markets im deutschsprachigen Raum beteiligt. Seine Expertise war bei zahlreichen Medien als Interview-Partner zum Beispiel beim Handelsblatt und DAF gefragt. EMFIS.com wurde außerdem durch die regelmäßigen Auftritte bei N-TV und der 3-SAT-Börse bekannt.

Im Anlageausschuss war Rainer Hahn bei einigen Finanzprodukten wie dem Asien Umwelt Index der Deutschen Bank und dem China Equity 2008 der ABN Bank in der Schweiz. Außerdem hat Rainer Hahn für eine Reihe von Investmentbanken Markt- und Unternehmensanalysen geschrieben.

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